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Dr. Christian Franchy

Dr. Christian Franchy

17. Oktober 2025

Herr Dr. Franchy, Sie beschäftigen den ersten Weiterbildungsassistenten des Stipendienprogramms in Ihrer Praxis in Lindlar. Warum ist ein solches Stipendienprogramm so wichtig?

Die jungen Ärzte in Weiterbildung haben in der Regel in attraktiven Großstädten studiert. Nach ihrem Medizinstudium müssen sie vieles entscheiden. Wo werde ich mittel- bis langfristig (mit einer jungen Familie) leben? Welche Chancen oder Risiken sehe ich, wenn ich aus der Stadt in eine ländliche Region ziehe? Hier kann die zusätzliche Förderung des Oberbergischen Kreises für Weiterbildungsassistenten von 600 EUR monatlich helfen anfallende Kosten für die Mobilität oder Wohnen zu kompensieren. Wenn man erst einmal in der Region arbeitet und sie besser kennenlernt, besteht die Chance, dass die Mediziner dauerhaft bleiben und später auch als Fachärzte hier tätig sind. Stipendien sind aber nicht nur ein finanzieller Anreiz, sondern bieten in der Regel, initiiert durch die Stipendiengeber, die Möglichkeit berufliche Netzwerke aufzubauen. Man kommt persönlich miteinander ins Gespräch, kann gemeinsam Perspektiven entwickeln und auch konkrete Hilfestellungen anbieten. Zum Beispiel, wenn es um die weitere Zusammenarbeit oder sogar eine Übernahme einer Hausarztpraxis geht. Und natürlich macht das vom Kreis initiierte Stipendienprogramm nach außen deutlich, dass man sich im Oberbergischen „wirklich“ um die jungen Ärzte bemüht. Es ist also auch Leistungsanreiz und Motivationsfaktor.

Sie sind ja auch als Dozent an der Universität zu Köln tätig. Woran mangelt es Medizinstudierenden heutzutage?

Die Frage woran es Medizinstudenten mangelt, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass bei dem Kontakt mit den Studenten immer der Wunsch nach praxisnahem Lernen geäußert wird, ohne dass natürlich die wissenschaftliche Lehre zu kurz kommen darf. Praktische Erfahrungen helfen, sich ein Bild zu machen oder bestehende Vorurteile, zum Beispiel dass die Arbeit eines Landarztes eintönig und der Arbeitstag nicht endet, zu verwerfen. Angehende Ärzte müssen den Arbeitsalltag als Allgemeinmediziner im ländlichen Raum selber erfahren und das nach Möglichkeit schon bei ihren Blockpraktika und Famulaturen. Aber wie schaffen wir es ihr Interesse zu wecken? Mein Engagement geht klar in die Richtung während des Studiums zusätzliche Veranstaltungen in den ambulanten Praxen des OBK anzubieten und somit interessierte Medizinstudenten persönlich kennenzulernen. Eine kürzlich in meiner Praxis in Lindlar durchgeführte Veranstaltung gemeinsam mit der Universität Köln, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin mit dem Thema „Sonographie“, kam aus meiner Sicht sehr gut bei den Studierenden an und ein Teilnehmer hat sich bei mir gemeldet und wird im Frühjahr eine Famulatur absolvieren. Ein erster Kontakt führt also zu einem weiteren.

Was erfüllt Sie an Ihrer hausärztlichen Tätigkeit in Oberberg am meisten?

Ich konnte zu jeder Zeit, seit 2008 bin ich als Allgemeinmediziner in einer eigenen Hausarztpraxis in Lindlar tätig, mein Familienleben und meine Selbstständigkeit miteinander vereinbaren. Hier habe ich in einer sehr schönen ländlichen Gegend meine Freunde und gehe meinen Freizeitaktivitäten nach. Wenn ich das Bedürfnis nach Großstadt habe, bin ich schnell in Köln. Ich habe den Schritt, Facharzt für Allgemeinmedizin zu werden, nie bereut. Natürlich entwickelt man Arbeitsroutinen, aber mein Fachgebiet fordert mich auch heute noch als Mediziner immer wieder heraus, da meine Patienten mit fast allen medizinischen Belangen erst einmal zu mir kommen. Es wird nie langweilig und viele sehr lange währende Patienten-Arzt-Beziehungen sorgen für schöne aber natürlich auch manchmal schwere Momente. Ich arbeite mit einem tollen Team aus angestellten Ärzten und medizinischen Fachangestellten zusammen, bilde junge Menschen aus und auch das erfüllt mich. Natürlich kämpfen auch wir an manchen Tagen mit der EDV, personellen Engpässen, oder ein Patient ist mal unzufrieden, aber das gehört dazu. Mein Fazit fällt trotzdem überaus positiv aus. Ich bin glücklich Landarzt im Oberbergischen Kreis zu sein.