Jan Kiesler
Herr Kiesler, was hat Sie bewogen, sich um das Stipendium der Weiterbildungsassistenz zu bewerben?
Ich habe mich um das Stipendium beworben, weil ich nach Jahren als Krankenhausarzt den Wunsch hatte, den Klinikalltag hinter mir zu lassen um näher beim Patienten und seinen Bedürfnissen zu sein, in der Region, in der ich aufgewachsen bin. Die Möglichkeit, während der Weiterbildungszeit gezielt gefördert zu werden, war für mich sehr attraktiv. Besonders die Verbindung aus finanzieller Unterstützung durch den Kreis und einem strukturierten Weiterbildungsangebot durch meine Ausbildungspraxis hat mir gezeigt, dass ich hier nicht nur ausgebildet werde, sondern auch als zukünftiger Kollege ernst genommen werde. Das Stipendium war für mich daher nicht nur ein Förderinstrument, sondern auch ein klares Zeichen der Wertschätzung.
Was macht für Sie die Tätigkeit als Hausarzt im Oberbergischen besonders attraktiv?
Das Oberbergische bietet für mich die perfekte Kombination aus beruflicher Vielfalt und Lebensqualität. Immerhin kenne ich die Region seit meiner Kindheit. Die Tätigkeit als „angehender“ Hausarzt hier bedeutet, medizinisch sehr breit gefordert zu sein und oft erste Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Anliegen zu sein. Das macht den Alltag abwechslungsreich und fachlich spannend. Gleichzeitig bietet die Region ein sehr kollegiales Netzwerk unter den Ärzten und relativ kurze Wege zur Facharztversorgung. Die Verbundenheit mit der Region und die Wertschätzung, die einem hier entgegengebracht wird, machen die Arbeit besonders erfüllend. Und nicht zuletzt bietet das Oberbergische auch privat eine hohe Lebensqualität mit viel Natur, Ruhe und einem starken Gemeinschaftsgefühl.
Gibt es Tipps, die Sie jungen Medizinstudierenden geben würden? Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Ich würde Medizinstudierenden raten, frühzeitig über den Tellerrand des Klinikalltags hinauszuschauen. Die Allgemeinmedizin bietet viele spannende Perspektiven, die im Studium leider oft zu kurz kommen. Was ich selbst gerne früher gewusst hätte wäre wie vielfältig und anspruchsvoll die hausärztliche Tätigkeit wirklich ist. Bei vielen Fragen und Sorgen ist man als Hausarzt der erste Ansprechpunkt und dann gilt es den Patienten nach seinen Bedürfnissen am besten zu unterstützen und zu begleiten. Es ist keineswegs ein "weniger fordernder" Bereich, sondern erfordert medizinisches Können, Kommunikationstalent und organisatorisches Geschick – und genau das macht es so spannend.
Wie sehen Ihre Pläne für Ihre weitere berufliche Zukunft als Arzt aus?
Langfristig möchte ich nach meiner Ausbildung als Hausarzt in meiner Heimatregion bleiben. Ob ich eine eigene Praxis habe oder als angestellter Arzt zum Beispiel in einem MVZ arbeite weiß ich noch nicht. Die Möglichkeiten sind auf jeden Fall vielfältig und der Bedarf groß. Mir ist es wichtig, eine feste Anlaufstelle für meine Patientinnen und Patienten zu sein und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, über viele Jahre hinweg. Dabei gilt es nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern auch präventiv zu arbeiten und die Gesundheit meiner Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu fördern. Ich bin überzeugt davon, dass die hausärztliche Versorgung eine tragende Säule unseres Gesundheitssystems ist, die zum Glück wieder stärker in den Gesellschaftlichen Fokus gerückt ist. Ich freue mich, dazu meinen Beitrag leisten zu können.