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Landrat Jochen Hagt

Landrat Jochen Hagt

06. Oktober 2025

„Wir brauchen kluge Köpfe – und die kommen nur, wenn wir ihnen Perspektiven bieten.“

Ein Gespräch mit Landrat Jochen Hagt über die medizinische Versorgung im Oberbergischen Kreis und das neue Medizinstipendienprogramm.
Seit vielen Jahren setzt sich Landrat Jochen Hagt für eine gute medizinische Versorgung im Oberbergischen Kreis ein. Mit dem Medizinstipendienprogramm wird nun ein weiterer wichtiger Schritt unternommen, um junge Ärztinnen und Ärzte für die Region zu gewinnen. Im Gespräch blickt Landrat Hagt auf die Herausforderungen, Chancen und Perspektiven der Gesundheitsversorgung im Oberbergischen.

Herr Hagt, Ihnen liegt die medizinische Versorgung im Oberbergischen Kreis schon sehr lange am Herzen. Was sind die größten Probleme, aber vielleicht auch Chancen in diesem Bereich?

Die ärztliche Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, steht bundesweit vor großen Herausforderungen. Während viele Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand gehen, wird es immer schwieriger, Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Patientinnen und Patienten warten oft lange auf einen (Fach-)Arzttermin oder müssen weite Strecken zurücklegen, um eine geeignete Praxis zu finden.
Gleichzeitig sehe ich auch Chancen: Wir erleben ein wachsendes Interesse an ganzheitlicher Medizin und am persönlichen Arzt-Patienten-Verhältnis. Genau das bietet der Oberbergische Kreis mit seinen starken Gemeinschaften und der hohen Lebensqualität. Zwar ziehen viele Studierende für das Studium in eine Großstadt, danach kehren sie aber oft in ihre ländliche Heimat, hier nach Oberberg, zurück. Das können wir nutzen, um die Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzten voranzutreiben.

Sie haben die Einführung des Medizinstipendiums maßgeblich vorangetrieben. Warum ist ein solches Stipendienprogramm so wichtig?

In einer ländlich geprägten Region wie dem Oberbergischen Kreis ist es besonders wichtig, dass alle Zugang zu Haus- und Fachärztinnen und -ärzten haben. Wir setzen uns für die Schaffung zusätzlicher Anreize für die Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten ein, um den Ärztemangel zu verhindern und die wohnortnahe medizinische Versorgung sicherzustellen. Um junge Menschen für eine Tätigkeit im Oberbergischen Kreis zu gewinnen, müssen wir frühzeitig Anreize schaffen. Mit dem Stipendienprogramm unterstützen wir Medizinstudierende finanziell, begleiten sie während ihrer Facharztweiterbildung und zeigen ihnen die vielfältigen Möglichkeiten vor Ort auf – von der Famulatur über die Weiterbildung bis hin zur eigenen Praxis. Somit geben wir den Studierenden frühzeitig Perspektiven und die Sicherheit, nach ihrem Studium eine Stelle als Ärztin oder Arzt im Oberbergischen Kreis zu besetzen. Das verringert auch die Sorge der Bürgerinnen und Bürger vor einer mangelnden ärztlichen Versorgung. Das ist eine Investition in die Zukunft unserer Region.

Was macht den Oberbergischen Kreis für junge Medizinerinnen und Mediziner attraktiv?

Neben der hohen Lebensqualität und der wunderschönen Natur punktet der Kreis mit einem guten Netzwerk aus Kliniken, Praxen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir bieten jungen Ärztinnen und Ärzten kurze Wege, persönliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie die Chance, wirklich etwas zu bewegen. Aber wir möchten nicht nur die Arbeit im Oberbergischen Kreis attraktiv gestalten, sondern auch die Freizeit. Im Rahmen des Medizinstipendienprogramms sind auch regelmäßige Freizeitangebote enthalten, um sich auch außerhalb der Arztpraxis kennenzulernen. Im Oberbergischen Kreis genießt man die Ruhe des Bergischen Landes und ist dennoch in kurzer Zeit in den Großstädten in Köln, Bonn oder dem Ruhrgebiet. Wer hier arbeitet, erlebt Nähe – zu den Menschen und zur Region.

Ihre Zeit als Landrat endet nun. Was wünschen Sie sich für die Versorgungssituation in Oberberg in den nächsten Jahren?

Mein Wunsch ist, dass wir die begonnenen Initiativen konsequent fortsetzen. So soll das Medizinstipendienprogramm wachsen und dauerhaft ein fester Bestandteil unserer Gesundheitsstrategie bleiben. Wenn wir jungen Medizinerinnen und Medizinern eine echte berufliche und persönliche Perspektive bieten können, dann mache ich mir um die ärztliche Versorgung im Oberbergischen Kreis keine Sorgen. Wir sind überzeugt, dass eine gut vernetzte, moderne und wohnortnahe Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger im Oberbergischen Kreis möglich ist.