
Dr. Ramona Hilbert
Frau Dr. Hilbert, was hat Sie bewogen, sich um das Stipendium für Ihre Weiterbildungsassistenz zu bewerben?
Als ich nach der Elternzeit wieder in Teilzeit in meiner vorherigen Praxis eingestiegen bin habe ich gemerkt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit vielen organisatorischen und auch finanziellen Fragen einhergeht. Daher fand ich die Kombination aus finanzieller und vernetzender Unterstützung gerade für mich als Mutter einer kleinen Tochter und angestellter Ärztin in Weiterbildung besonders interessant. Das Stipendium trägt dazu bei, beide Rollen besser vereinbaren zu können und zumindest die finanziellen Fragen etwas in den Hintergrund zu stellen. Darüber hinaus empfinde ich es als ein klares Zeichen, auch eine Teilzeittätigkeit zu fördern und nicht nur das Arbeiten in Vollzeit wertzuschätzen, da dies nicht immer in allen Lebenslagen ohne weiteres möglich ist. Dadurch, dass meine Familie ursprünglich aus dem Oberbergischen stammt und ich mittlerweile auch selbst hier lebe, kann ich mir zudem eine langfristige ärztliche Tätigkeit hier auch sehr gut vorstellen.
Was macht für Sie die Tätigkeit als Hausärztin im Oberbergischen besonders attraktiv?
Da ich in der Nähe aufgewachsen bin waren mir bei Berufsstart in der Klinik schon viele Orte und Versorgungsstrukturen bekannt und in meiner Tätigkeit in der Praxis konnte ich dieses „Netzwerk-Wissen“ schon weiter ausbauen. Obwohl es sich um eine ländliche Region handelt gibt es dennoch Ansprechpartner fast aller Fachrichtungen in der Nähe und notfalls sind die großen Kliniken auch nicht weit entfernt. Somit vereint die Region alle Vorteile des Landlebens mit den Vorzügen der Großstadt in greifbarer Nähe bei Bedarf. Für mich persönlich stellt die Arbeit im Oberbergischen auch die Nähe zur Familie dar, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch einmal erleichtert.
Gibt es Tipps, die Sie jungen Medizinstudierenden geben würden? Was hätten Sie gerne früher gewusst?
Ich würde definitiv empfehlen die Hausarztfamulatur in einer ländlichen Praxis zu absolvieren. Man kann aus meiner Sicht so viel mehr verschiedene Krankheitsbilder und Patientinnen und Patienten kennenlernen als z.B. mitten in einer großen Stadt. In Hausbesuchen und Altenheimbesuchen, aber auch in der Betreuung ganzer Familien mit Kindern, Eltern und Großeltern kann die Lernkurve sehr groß sein. Ich hätte gerne früher gewusst, dass Allgemeinmedizin alles andere als langweilig oder einseitig ist, was noch die Meinung vieler Studierender am Studienbeginn war. Als erste Ansprechpartnerin für sämtliche Gesundheits- und Krankheitsfragen wird ein breites Wissen über so viel mehr als „Erkältung und Rückenschmerzen“ benötigt, was den Beruf aber auch so spannend und abwechslungsreich macht. Im Gegenzug ist die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten meist extrem hoch und das Engagement für die umfassende Betreuung wird sehr wertgeschätzt.
Wie sehen Ihre Pläne für Ihre weitere berufliche Zukunft als Ärztin aus?
Ich sehe mich auch nach meiner Weiterbildung langfristig als Allgemeinmedizinerin in einer ländlichen Praxis. Ob in Vollzeit oder weiterhin in Teilzeit, als angestellte Ärztin oder in der Selbstständigkeit in einer Gemeinschaftspraxis, all diese Entscheidungen lasse ich noch auf mich zukommen. Ich finde es sinnvoll, in der Region zu arbeiten, in der ich in den letzten Jahren begonnen habe vernetzt zu sein und somit an der bestmöglichen Versorgung für meine Patientinnen und Patienten arbeite.
Außerdem wünsche ich mir aber vor allem auch weiterhin eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) der Tätigkeit als Ärztin.